Verfasst von: LDK | 2 April, 2020

Dankbrief aus Mfida von Msgr. Dr. Thomas B. Tchoungui

Dankbrief an unsere Freunde des LDK

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Freunde,

Im Namen der Einwohner von Mfida und in meinem eigenen Namen, sende ich diesen Brief, um unendlich großen Dank zu sagen am Ende einer so langen und fruchtbaren Zusammenarbeit. Während nahezu 15 Jahren harter Arbeit, haben wir einander kennengelernt und uns Vertrauen geschenkt. Trotz der großen Entfernung, die Deutschland von Kamerun trennt, sind sich Mfida und Ludwigsburg außerordentlich nahe gekommen, dank der gemeinsamen Anstrengungen der Bewohner von Mfida und unserer Freunde vom Lebendigen Dorf Kamerun. Während des fünfzehnjährigen Bestehens, ist es uns erfolgreich gelungen, ein modernes und beispielhaftes Dorf zu entwickeln, ein lebendiges Dorf, in dem es sich gut leben lässt.

Dank der verschiedenen vordringlichen Infrastrukturprojekte, wie der Krankenstation „Bon Secour“, der Grundschule und des Kindergartens von Mfida, hat sich die Lebensqualität bedeutend verändert, sodass viele junge Menschen wieder gerne im Dorf wohnen. Zahlreiche betagte Menschen haben gesehen, wie sich ihre Hoffnung auf ein längeres Leben erfüllte durch die verschiedenen Projekte für sauberes Trinkwasser, die wir in Mfida und auch in den umliegenden Dörfern realisiert haben. Ich denke insbesondere an die Trinkwasserbrunnen in Nkolbidondi, in Nsonasi, in Ekombitié, in Melen und ganz zuletzt in Mengueme, um nur einige außerhalb Mfidas zu nennen. Und nicht zu vergessen, die kleine Markthalle, unser erstes Projekt, eingeweiht im Jahre 2006!

Seit dieser Zeit hat die gute Zusammenarbeit zwischen LDK und ASSAPIDEM stets gute Erfolge gebracht, die heute alle bewundern. Mit dem Bau der Fischteiche, finanziert durch die Euwax-Stiftung, hat unser Dorf ein neues Gesicht erhalten, das alle Besucher bezaubert und erfreut. Es ist ein Ort der Begegnung geworden, an dem die Menschen spazieren gehen und sich ausruhen.

Vor einiger Zeit hatten wir die Arbeiten für die Erweiterung der Krankenstation begonnen, damit wir noch mehr Kranke aufnehmen, und damit wir den temporär tätigen Ärzten eine gute Unterkunft bieten können. Diese Arbeiten haben wir vor kurzem beendet und alle sind darüber erfreut.

Vor etwa 6 Monaten hatte der Krankenwagen schwere technische Probleme, deren Behebung nicht einfach war. Aber Gott sei Dank, haben wir in Yaoundé gute Fachleute gefunden, die uns vorgeschlagen haben, den Motor gegen einen einfacheren Dieselmotor mit weniger Elektronik zu ersetzen. Dadurch ist er leichter zu reparieren und der Krankenwagen ist wieder im Einsatz. Wir sind darüber sehr zufrieden, denn dieser Krankenwagen hilft uns viele bedrohte Leben zu retten, sowohl in der Krankenstation „Bon Secours“ als auch bei Verkehrsunfällen auf der Landstraße zwischen Mbalmayo und Ebolowa.

Nach nahezu zehn Jahren ihres Bestehens, sind die Fischteiche nun von Erosion bedroht durch den Wasserdruck nach starken Regenfällen im letzten Oktober. Dadurch entstanden große Schäden an den Deichen, welche die Teiche trennen. Während der jetzigen Trockenperiode haben wir Mittel bereitgestellt, um die zerstörten Deiche zu reparieren. Diese Arbeit wurde ebenfalls vor kurzem beendet und die Teiche haben wieder ihre Gestalt und ihre Schönheit gewonnen. (…)  (…)

Auf sozialem Gebiet haben wir weiterhin einige bedürftige Kinder unterstützt. Zwei junge Menschen haben ihre Agrarausbildung bei Herrn Binelli (Dauerhafte Alternative CAPAM) abgeschlossen. Herr Mathias Amougou arbeitet jetzt in der Landwirtschaft und legt derzeit ein Feld mit Obstbäumen an. Frau Merveille Eyomane zieht mit großem Fachwissen die Hühner auf. Alle sind mit deren Leistungen zufrieden. Die Kinder von Dominique Ndi (ein sehr verlässlicher Arbeiter im Dorf, der vor 3 Jahren bei Baum-Fäll-Arbeiten tödlich verunglückte) machen ebenfalls Fortschritte in ihrer Ausbildung. Die älteste Tochter, Félicité Befolo, hat im vergangenen Jahr ihre Lizenz in Psychologie erhalten; Tochter Persérérence Nkafu hat ebenfalls im letzten Jahr ihre Lizenz in zwei Sprachen (französisch-englisch) erhalten. Thiéry Enyege im Seminar Sankt Paul wird im kommenden Jahr sein Abitur machen. Wir hoffen somit eine neue Berufung in das Priesteramt zu unterstützen. Wir danken Gott für diese gute Entwicklung der Dinge.

Im Kindergarten und in der Grundschule haben wir auch in diesem Jahr wieder zusätzlich viele Kinder durch die soziale Instabilität, die es immer noch in der anglophonen Region Nord-West gibt. Wir haben eine letzte finanzielle Anstrengung unternommen zur Unterstützung der Lehrer, Praktikanten und der ehrenamtlichen Lehrer, die nicht vom Staat bezahlt werden. Madame Mireille wurde aufgrund fehlender pädagogischer Ausbildung von der Schulbehörde nicht weiter beschäftigt. Wir versuchen sie mit einer finanziellen Auszeichnung zu trösten und danken ihr für all die Arbeit, die sie seit dem Jahre 2006 für unsere Schule getan hat. Sie hat zahlreiche Generationen von Kindern in Disziplin und Engagement geformt. Wir werden sie auch weiterhin mit einer kleinen finanziellen Unterstützung begleiten.

Insgesamt sind wir sehr stolz auf die Arbeit, die wir gemeinsam geleistet haben. Uns fehlen die Worte um Ihnen unsere tiefempfundene Dankbarkeit zu übermitteln. Ohne Ihr Engagement und ohne Ihre vielfältige Unterstützung wäre Mfida niemals dieses schöne Dorf geworden, das heute von allen bewundert wird.

Wir können das Gefühl der Betrübnis nicht verstecken, das zahlreiche Bewohner betroffen hat, als sie von der Auflösung des Vereins hörten. Trotz des Schmerzes sind alle voller Dankbarkeit bei unserer zu Ende gehenden reichen und fruchtbaren Zusammenarbeit, für Ihr Engagement, für Eure Großzügigkeit und insbesondere für Eure aktive und grenzenlose Solidarität.

Man kann mit Stolz sagen, dass wir fähig waren, uns Ihres Vertrauens würdig zu erweisen, und wir hoffen auch, dass Sie sich ihrerseits geehrt gefühlt haben, zur Entwicklung eines Teils der Humanität beizutragen. Dies ist doch eine große Lektion des Humanismus, die wir gemeinsam geschrieben haben, nicht auf dem Papier, sondern in den Herzen der Menschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die folgenden Generationen sich mit Bewunderung und Dankbarkeit noch daran erinnern werden.

Dem gesamten Vorstand des Vereins….. (…) sowie ALLEN, die sich in besonderer Weise haben einbeziehen lassen in die Entwicklung von Mfida und seiner Umgebung, sage ich unendlich großen Dank. Dank für Ihr Engagement, für Ihren Opfergeist. Im Verlaufe Ihrer Tätigkeit sind Sie für uns das gewesen, was Simon von Kyrene für Christus gewesen ist. Und ich nehme die Gelegenheit wahr, um diese so anrührenden und so tiefgehenden Überlegungen des emeritierten Papstes Benedikt XVI zu diesem Thema mit Ihnen zu teilen:

„Simon von Kyrene, du bist ein kleiner, ein armer, ein unbekannter Bauer, von dem die Geschichtsbücher nicht sprechen. Und doch machst du Geschichte! Du hast eines der schönsten Kapitel der Geschichte der Menschheit geschrieben. Du trägst das Kreuz eines anderen, du hebst den schweren Balken auf und verhinderst, dass er das Opfer erdrückt. Du gibst jedem von uns die Würde zurück, indem du uns daran erinnerst, dass wir nur dann wir selbst sind, wenn wir nicht mehr an uns selber denken (Lk 9,24). Du erinnerst uns daran, dass Christus auf uns wartet, auf der Straße, auf dem Treppenabsatz, im Krankenhaus, im Gefängnis…in der Randzone unserer Städte. Christus wartet auf uns …(Mt 25,40)“   (Kreuzweg mit Benedikt XVI am Kolosseum. Beten mit dem Heiligen Vater Karfreitag 2006, Herder, Basel/Wien, 2006, Seiten 26-27)

Ich möchte diesen Brief nicht abschließen, ohne ein Wort zu der Corona-Virus Pandemie zu sagen, die derzeit unsere Welt terrorisiert. Meine lieben Freunde, in einer Zeit, in der die ganze Welt eine der schlimmsten Gesundheitskrisen der Geschichte durchmacht, hat mich die Einwohnerschaft von Mfida beauftragt, Ihnen ihren tiefempfundenen Beistand im Gebet und in der Verbundenheit der Herzen zu übermitteln. Der unerwartete Ausbruch des Corona-Virus lehrt uns überdeutlich, dass wir auch weiterhin im Gebet zusammen stehen müssen. Der Virus erinnert uns an unsere Zerbrechlichkeit und an die Vergänglichkeit unseres Lebens. Wie können wir unsensibel bleiben in Anbetracht des Todes von vielen Männern und Frauen, die so unvermittelt von heute auf morgen ihre Projekte zerbrochen und ihre Träume gescheitert sehen?

Corona zwingt uns eine neue relationale, soziale und wirtschaftliche Ordnung auf. Es zwingt den modernen Menschen dazu, eine neue Lektion zu lernen: die Zeit steht über dem Raum. In der Tat ist es weniger notwendig ohne Ruhepause von einem Raum zum andern zu rennen als sich schließlich Zeit zu nehmen, zu sich selbst und zum familiären Rahmen zu finden, um bei den Seinen zu verweilen oder um mit Gott zu reden und ihn anzubeten im Geist und in der Wahrheit. Schließlich lädt uns dieses Drama (oder sogar diese Tragödie) ein zu größerer humanitärer Solidarität, um zu verstehen, dass das Gesamte vom Teil abhängt. Es ist notwendig, uns zu einigen und unsere Einzelinteressen zu opfern, um unsere Humanität zu retten. Dies erfordert eine Aufteilung der Anstrengungen auf der Suche nach wissenschaftlichen Lösungen als auch im weltweiten Gebet füreinander.

Besonders durch diese Zeilen der Hoffnung, wünsche ich Ihnen ein gutes Ende der Fastenzeit, damit die Auferstehung Christi an Ostern das Zeichen sein möge für eine neue und gesundete Welt. Möge Gott Sie segnen und möge seine Gnade mit Ihnen sein und mit all denen, die Ihnen nahe stehen.

                                                       Mgr Dr. Thomas Bienvenu TCHOUNGUI

 


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